"Ich glaube..." – ja, was eigentlich?

Kirchengemeinderat beschäftigt sich mit dem Glaubensbekenntnis
Beim Kirchengemeinderats-Wochenende vom 17. bis 19. Februar 2006 haben sich Kirchengemeinderätinnen, Kirchengemeinderäte, Pfarrerinnen und Pfarrer der Michaelskirche tief in die Inhalte des christlichen Glaubensbekenntnisses reingekniet. In Gesprächsrunden und Vorträgen wurde beispielsweise darüber diskutiert, wie die Rede von Gott als Schöpfer der Welt neu mit nachvollziehbaren Inhalten gefüllt werden kann.
"Schöpfung ist keine Einzeltat Gottes am Anfang der Welt. Schöpfung meint Gottes kontinuierliches schöpferisches Handeln, das jeden Tag erfahrbar ist", sagte Pfarrerin Dorothee Eisrich in ihrem Referat. Sie sieht es als eine Aufgabe der Kirche an, dem Staunen über die Schöpfung Raum zu geben.
Viele haben Probleme, sich die alten Sätze des apostolischen Glaubensbekenntnisses zu Eigen zu machen. Mythologische Formulierungen wie "Gottes Sohn" und "geboren von der Jungfrau" sind für das neuzeitliche Denken einfach merkwürdig. Eine Möglichkeit, die alten Worte dennoch mitzusprechen, ist für viele, dass sie beim Sprechen ihre Interpretation mitlaufen lassen und so im eigenen Hinterkopf abklären, was die alten Formeln für sie bedeuten. Etliche Kirchengemeinderäte sagten aber auch, sie hätten kein Problem damit, sich auf den alten Text des Credos einzulassen. Sie würden sich damit als Glied der Kirche bekennen, die über Jahrhunderte hinweg und weltweit das alte Bekenntnis gemeinsam spricht. "Wer bin ich kleiner Mensch, dass wegen meiner aktuellen Befindlichkeit dieser alte Text umgeschrieben werden sollte, mit dem Menschen seit bald 2000 Jahren Gott loben?" fragte zum Beispiel Pfarrer Hans-Jörg Eiding. Konsens herrschte darüber, dass moderne Glaubensbekenntnisse ihre Berechtigung haben, sofern sie sich als Ergänzung des alten verstehen.
Die Möglichkeit, sich in Ruhe auf wesentliche Themen des Glaubens einzulassen, hat den Teilnehmenden gut gefallen. "Obwohl das Programm randvoll war, hatte ich das Gefühl, dass wir Zeit hatten, uns in neue Inhalte zu vertiefen. Das fand ich gut, denn in den normalen Sitzungen haben wir oft viel Kleinkram zu regeln", meinte eine Teilnehmerin. Eine andere sagte: "Es ist vielleicht ein größeres Ergebnis, dass das Wochenende etwas in uns in Bewegung gebracht hat, als wenn wir jetzt eine Liste von Punkten zum Abarbeiten hätten." "In der Industrie geht es ja immer um messbaren ‚Output’, und die Kirche ist in Gefahr, auch immer wieder auf messbare Ergebnisse und die Selbstdarstellung fixiert zu sein", sagte ein anderer. Und fand es "umso wohltuender, dass an unserem Wochenende ganz andere, freiere Denkprozesse möglich waren."
Christoph Schweizer
Lesen Sie auch die Predigten zu diesem Thema vom Oktober vergangenen Jahres