Fröhlicher Gottesdienst mit muslimischen Gästen

Wer ein Streitgespräch oder eine lebhafte Diskussion zwischen Christen und Muslimen erwartet hat, kam bei der "Kirche um Sieben" nicht auf seine Kosten. Was die rund 150 Besucher stattdessen erlebten, war ein Gottesdienst mit vielen freundlichen und einigen nachdenklichen Tönen.<//font>


 


Sie wollen so gerne zueinander finden

Sie wollen so gerne zueinander finden

Sie wollen ja so gerne zueinander finden, der Imam und der Pfarrer, die auf dem großen Plakat vorne in der Kirche abgebildet sind. Aber sie stehen auf den hohen Türmen ihrer Gotteshäuser und können sich nicht näher kommen. Auch bei der Kirche um Sieben gab es keine spektakulären Verschwisterungen und keine Sieben-Meilen-Schritte. Zu gewichtig sind die unterschiedlichen Glaubenstraditionen, zu groß ist die Furcht, einander weh zu tun. Doch auch kleine Schritte können von Gewicht sein, zumal in einem gesellschaftlichen Klima, das nach dem 11. September 2001 durch gegenseitigen Argwohn beeinträchtigt ist.
Vertreter der muslimischen Seite war Murat Aslanoglu, muslimischer Vorsitzender der Christlich-islamischen Gesellschaft in der Region Stuttgart. Aslanoglu, der in Korb wohnt, sagte zur Begrüßung: "Es freut mich, dass ich endlich sehe, wie diese Kirche von innen aussieht." Er ist für seine "traditionell türkisch-muslimische" Erziehung dankbar. "Meine Eltern haben Vertrauen zu Gott in meinem Herzen verwurzelt."

Ein Gott?

Auch die evangelische Theologin Dr. Brigitte Enzner-Probst ist für die religiösen Wurzeln, die sie im elterlichen Pfarrhaus erhielt, dankbar. Allerdings ist ihr die Frömmigkeit des Elternhauses, dieser "in sich geschlossene christliche Kosmos", inzwischen zu eng geworden.
Bei den Vorstellungen, wer oder was "Gott" ist, wurden Unterschiede und Gemeinsamkeiten deutlich. "Ich weiß, dass Muslime sich mit der Dreiheit Gottes schwer tun. Es geht dabei um drei Aspekte der einen Gottheit", erläuterte Enzner-Probst. Gott sei eine "schöpferische Kraft". Gott zeige sich in der Person Jesu als "unerschütterliche Liebe, die sich nicht aus dem Konzept bringen lässt". Und Gott sei "eine begeisternde Kraft, die uns immer wieder anschubst, Grenzen zu überschreiten.".
Aslanoglu wies auf das zentrale muslimische Bekenntnis hin, dass Gott einzig ist. Im Koran stehe aber auch, "dass die Vielfalt der Religionen von Gott gewollt ist. Wir sollen miteinander sprechen und miteinander nach dem Guten trachten."

Eine gemeinsame Sprache finden

"Früher hatten viele nur ein müdes Lächeln übrig, wenn sie von meinem Engagement in der Christlich-islamischen Gesellschaft gehört haben", berichtet Aslanoglu. "Aber seit dem September 2001 wissen wir, dass das Thema wichtig ist. Wir müssen eine gemeinsame Sprache finden". Islamischer Religionsunterricht sei notwendig. Er befähige Schüler, ihren Glauben im Gespräch zu vertreten.
Enzner-Probst hat im Gespräch mit Musliminnen und Jüdinnen die Erfahrung gemacht, dass "der Horizont weiter, der Glaube reicher und die eigenen Wurzeln bewusster werden".
Übrigens: Direkt unter dem Plakat mit dem Pfarrer und dem Imam stellte sich der Oberstufenchor des Staufergymnasiums für seinen mitreißenden Gesang auf. Und wer genau hinschaute, konnte die beiden geistlichen Herren im selben Rhythmus tanzen sehen...

Christoph Schweizer
 
 



Das Gespräch zwischen Christen und Muslimen hat gerade erst begonnen

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