Konfirmation
Gedanken zur Konfirmation
Erwachsen werden
Früher hieß der blöde Spruch: "
Konfirmand hod koin Verschdand" – und nur wer keine Konfirmandinnen oder Konfirmanden kennt wird dem zustimmen. Konfirmanden betrachten die Welt mit ihren kritischen Augen. Meist noch unverbogen machen sie sich ihre eigenen Gedanken. Gerade auch Gedanken über den Glauben. Sprechen wollen sie meist nicht darüber, da unterscheiden sie sich nicht von den allermeisten Erwachsenen. Von dem amerikanischen Philosophen Erwin Chargaff gibt es das nachdenkliche Wort: "
Wer von seinem Glauben reden kann, hat keinen."
Den Konfirmanden wird nicht mehr wie zu Zeiten des Pietismus ein persönliches Bekenntnis bei der Konfirmation abverlangt. Sie werden ihren Glauben sowieso erst im Laufe ihres Lebens immer neu finden, immer neu diskutieren, was heute Glaube sein kann. Sie sind wie wir alle immer auf der Suche. Vielleicht gibt ihnen ihr Glaube im Leben Halt, vielleicht spüren sie, wie sehr zum Erwachsenwerden ein immer sich selbst hinterfragender Glaube gehört, ein Glaube, der in den Gemeinden, in der Kirche, so wünsche ich ihnen, ernst genommen wird bei allen Zweifeln, die zu einem erwachsenen Glauben dazu gehören.
Sie sind mit der Konfirmation mündig geworden, können das Patenamt übernehmen. Sie können nun andere, jüngere, selbst begleiten auf ihrer Suche nach einem Glauben, der die Welt bewältigen hilft, der stark macht, gegen die vielen Ungerechtigkeiten und den Ausverkauf der Welt anzugehen. Stellvertretend für die eigenen schwierigen Glaubensaussagen haben sie sich während der Konfirmandenzeit mit den Aussagen der christlichen Traditionen beschäftigt, auch mit dem Katechismus von Luther und Brenz, dem württembergischen Reformator. Der Glaube hat eine Geschichte, ist mit den vielen Erfahrungen der Christen verbunden. Und wenn es gut geht an der Konfirmation erleben sie ein Fest, an dem sie spüren, dass sie nicht nur im Mittelpunkt stehen, sondern dass sie einen entscheidenden Schritt auf das Erwachsenwerden zu gehen. Mitten noch in der Schulzeit, nicht mehr wie früher mit vierzehn, als die Schule beendet war und die Lehrzeit begann.
Um so wichtiger ist für eine Zeit, in der Rituale schwieriger und notwendiger wurden, dass mitten im Leben der Jugendlichen eine Zäsur stattfindet, in der sie spüren: Nun werden wir mit andern Augen gesehen. Hoffentlich in den Augen der Eltern, der ganzen Verwandtschaft, wie mit den gnädigen Augen Gottes, des Gottes, der sie und uns begleitet in unseren dauernden Versuchen, einen erwachsenen Glauben zu bekommen. Einen Glauben, der die Welt menschlicher machen kann, auch in den kleinen Schritten, die sie selbst gehen. Allein gehen sie diese Wege nicht, viele gehen mit. Und sie sehen sich in ihren Konfirmationskleidern und Anzügen nicht mehr wie früher beinahe wie Erwachsene verkleidet, in alten Zeiten die Buben sogar mit Hut, sie sehen sich mit den Augen, so hoffe ich, derer, die spüren, sie sind nicht allein. Nicht in ihrem Glauben, nicht in ihren Fragen, nicht in ihren Zweifeln und ihren mehr oder weniger großen Hoffnungen auf Zukunft. Ich hoffe, sie spüren dabei, dass ihnen, wenn nicht der Himmel, so doch die Kirche offen steht.
Eberhard Gröner, Dekan